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Montag, 13. Februar 2012

Verschwendet

Mutti schenkte mir zu Weihnachten einen schönen Kalender, angefüllt mit je einem schönen Gleichnis für jeden Monat.

Ich habe es dann auch schon heute geschafft, von Januar auf Februar zu blättern. Die Geschichte, die ich fand, passt sehr gut zu meiner effektiven*hüstel* und hochmotivierten *röchel* Prüfungsvorbereitung:


Mittwoch, 21. Dezember 2011

Hieroglyphen

Nach einer wahren Begebenheit:


Es begab sich aber zu der Zeit, als der Lüder im Lande der Schweden weilte, dass ein Götterbote der Herpes-Warenwirtschafts-Sozietät vor seiner Tür stand. Er fand sie verschlossen, sodass er nach energischem Klingeln mit Grimm im Gesicht seinen Stift zog und auf einem papiernen Vordruck einige Worte festhielt. Jenes Papier hinterließ er im Briefkasten des Reisenden.


Als nun der Lüder am vierzehnten Tag nach seinem Aufbruch heimkehrte, erblickte er in seinem Briefkasten die Nachricht des Götterboten. Er nahm sie an sich, versuchte sich an der Entzifferung der kryptischen Zeichen und legte das Papier schließlich unverrichteter Dinge auf seinem Schreibplatz ab.


Als am zweiten Tag nach dem Fund der papiernen Nachricht der Götterbote noch nicht wieder am Klingelseil neben des Lüders Tür gezogen hatte, untersuchte dieser die Zeichen auf dem Zettel, die ihm wie Hieroglyphen erscheinen mussten, erneut.
Nach einigem Nachsinnen erkannte er den Inhalt der Götterbotenmitteilung. Er hatte die Lieferung bei einem Nachbarn des Lüders hinterlegt und dessen Namen auf dem Zettel festgehalten.


Sich an seiner Erkenntnis erfreuend begab sich der Lüder zum genannten Nachbarn, stand jedoch auch dort vor verschlossenem Tore. Es verstrichen einige Tage, bis schließlich ein Fremder an des Lüders Tür klopfte und ihm die Kunde von einer bei ihm verstauten Lieferung überbrachte. Die Gunst der Stunde nutzend folgte der Lüder dem Fremden und erhielt so schließlich das ersehnte Paket.


Und die Moral von der Geschicht':
Des Boten Klaue erkennt man nicht!



Freitag, 15. Juli 2011

Der Brief

Jeden Tag mehrfach der hoffende Blick in den Briefkasten.
Ein Dutzend Mal die enttäuschte Feststellung: leer.

Dann endlich, ein Brief.
Offiziell sieht er aus!
Und entpuppt sich als... Werbung.

Zwei Tage und ein weiteres Dutzend Mal Briefkasten öffnen später:

DER BRIEF

Überbracht von der Hauspost unserer Universität. Absender: "Dekanat..."

Endlich!

Der Moment des Öffnens:
Erwarten, Angst und Hoffnung wechseln sich ab.

Die ersten Worte: "Sehr geehrter Herr ..."
Nein weiter unten: "Ihrem Antrag..."
Schon besser.
Eine weitere Zeile weiter unten die Fortsetzung: "...wurde stattgegeben."

Erleichterung, Freude, mir fällt ein Stein vom Herzen.
Ein wichtiger Abgabetermin konnte verschoben werden, die sich anbahnende Bruchlandung wurde abgefangen...


Freitag, 10. Juni 2011

Kleine Momente

Habe vorhin eine hübsche kleine Story bei smsvongesternnacht.de gefunden. Ist zwar scheinbar keine echte SMS, sondern eine ältere Geschichte, die schon länger im Internet kursiert, schön ist sie trotzdem:


"Ich hab heute meiner katze beim spielen zugesehen, sie ist die ganze zeit einem ball nachgejagt und ich hab mir überlegt, dass das tier echt mit voll einfachen dingen zu begeistern ist. Und dann ist mir aufgefallen, dass ich 15min lang nur meiner katze zugesehen hab."


Das sind sie, die kleinen wunderschönen Momente im Leben, die man so oft übersieht, weil sie so unwichtig wirken. Trotzdem sind es diese kleinen unbeschwerten Momente, durch die das Leben erst richtig lebenswert wird.


Freitag, 26. Oktober 2007

HEIMKEHR


Ich bin zurückgekehrt, ich habe den Flur durchschritten und blicke mich um. Es ist meines Vaters alter Hof. Die Pfütze in der Mitte. Altes, unbrauchbares Gerät, ineinanderverfahren, verstellt den Weg zur Bodentreppe. Die Katze lauert auf dem Geländer. Ein zerrissenes Tuch, einmal im Spiel um eine Stange gewunden, hebt sich im Wind. Ich bin angekommen. Wer wird mich empfangen? Wer wartet hinter der Tür der Küche? Rauch kommt aus dem Schornstein, der Kaffee zum Abendessen wird gekocht. Ist dir heimlich, fühlst du dich zu Hause? Ich weiß es nicht, ich bin sehr unsicher.
Meines Vaters Haus ist es, aber kalt steht Stück neben Stück, als wäre jedes mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt, die ich teils vergessen habe, teils niemals kannte. Was kann ich ihnen nützen, was bin ich ihnen und sei ich auch des Vaters, des alten Landwirts Sohn.
Und ich wage nicht, an der Küchentür zu klopfen, nur von der Ferne horche ich, nur von der Ferne horche ich stehend, nicht so, daß ich als Horcher überrascht werden könnte. Und weil ich von der Ferne horche, erhorche ich nichts, nur einen leichten Uhrenschlag höre ich und glaube ihn vielleicht nur zu hören, herüber aus den Kindertagen.
Was sonst in der Küche geschieht, ist das Geheimnis der dort Sitzenden, das sie vor mir wahren. Je länger man vor der Türe zögert, desto fremder wird man. Wie wäre es, wenn jetzt jemand die Türe öffnete und mich etwas fragte. Wäre ich dann nicht selbst wie einer, der sein Geheimnis wahren will.

KAFKA


Freitag, 28. September 2007

Der Steuermann



„Bin ich nicht Steuermann?“ rief ich. „Du?“ fragte ein dunkler hochgewachsener Mann und strich mit der Hand über die Augen, als verscheuche er einen Traum. Ich war am Steuer gestanden in der dunklen Nacht, die schwachbrennende Laterne über meinem Kopf, und nun war dieser Mann gekommen und wollte mich beiseite schieben. Und da ich nicht wich, setzte er mir den Fuß auf die Brust und trat mich langsam nieder, während ich noch immer an den Stäben des Steuerrades hing und es beim Niederfallen ganz herumriss. Da aber fasste es der Mann, brachte es in Ordnung, mich aber stieß er weg. Doch ich besann mich bald, lief zu der Luke, die in den Mannschaftsraum führte, und rief: „Mannschaft! Kameraden! Kommt schnell! Ein Fremder hat mich vom Steuer vertrieben!“ Langsam kamen sie, stiegen auf aus der Schiffstreppe, schwankende müde mächtige Gestalten. „Bin ich nicht der Steuermann?“ fragte ich. Sie nickten, aber Blicke hatten sie nur für den Fremden, im Halbkreis standen sie um ihn herum, und als er befehlend sagte: „Stört mich nicht“, sammelten sie sich, nickten mir zu und zogen wieder die Schiffstreppe hinab. Was ist das für Volk! Denken sie auch, oder schlurfen sie nur sinnlos über die Erde?

--> Franz Kafka